QM tut gut: Wie sich Architekten und Ingenieure wieder aufs Wesentliche konzentrieren können
Gastbeiträge

Der Meister kehrt in 12 Gewerken zurück

Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Kfm. Thomas Benz

Rückvermeisterung

Zum 01.01.2020 ist bei einigen Gewerken für die Gründung und Führung eines Handwerksbetriebs wieder die Meisterqualifikation erforderlich. Vor genau 15 Jahren wurde die Meisterpflicht in 53 Gewerken mit dem Argument abgeschafft, dass der Meisterbrief eine zu hohe Hürde für viele Existenzgründer im Handwerk ist.

Die nun in Kraft getretene „Rückvermeisterung“ wird für folgende Handwerksberufe gelten:

  • Behälter- und Apparatebauer
  • Betonstein- und Terrazzohersteller
  • Böttcher
  • Drechsler und Holzspielzeugmacher
  • Estrichleger
  • Fliesen-, Platten- und Mosaikleger
  • Glasveredler
  • Orgelbauer
  • Parkettleger
  • Raumausstatter
  • Rollladen- und Sonnenschutztechniker
  • Schilder- und Lichtreklamehersteller

Damit sind 12 von 53 Gewerken aus der Anlage B1 wieder in die Anlage A (Betriebe mit Meisterpflicht) der Handwerksordnung gekommen.

Offensichtlich sind die technischen, handwerklichen und wirtschaftlichen Anforderungen in diesen Gewerken doch so hoch, dass die Meisterqualifikation für eine gute Qualität unverzichtbar ist.

Die Meisterpflicht in diesen Gewerken soll nur für neu gegründete Betriebe gelten – bereits bestehende Unternehmen genießen Bestandsschutz. Die Entscheidung über die Auswahl der Berufe wurde von politischer Seite aufgrund von Vorschlägen der Berufsfachverbände getroffen.

Aufgrund des ständig steigenden Fachkräftemangels darf jedoch bezweifelt werden, ob diese politische Entscheidung der Bauwirtschaft nützt. Aus Sicht der Verbraucher und der bauleitenden Ingenieure kann die Rückvermeisterung insofern mit einem lachendem und einem weinenden Auge gesehen werden: „Mehr Qualität – noch längere Wartezeiten“.


Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Kfm. Thomas BenzProf. Dr.-Ing. Dipl.-Kfm. Thomas Benzverbindet wissenschaftliche Expertise und bauwirtschaftliche Berufserfahrung wie kaum ein anderer. Seit 2006 lehrt er als Professor an der Hochschule für Technik Stuttgart Baubetriebslehre, Bauwirtschaft und Schlüsselfertigbau. Gleichzeitig verfügt er über 15 Jahre operativer Führungserfahrung in Ingenieurbüros und Bauträgerunternehmen. Qualitätsmanagement ist für ihn immer ein zentrales Thema gewesen.

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