Leonardo-Brücke auf dem Hessentag in Butzbach 2007 (Von Michael J. Zirbes - Privatarchiv, CC BY-SA 2.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32962365)

500. Todestag von Leonardo da Vinci: Maler, Ingenieur – und QM’ler

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In Denkfabriken entwickeln im 21. Jahrhundert viele kluge Menschen Ideen und Szenarien für eine lebenswerte Zukunft. Vor einem halben Jahrtausend passierte das in Italien auch schon – der Unterschied dabei: Es geschah durch eine einzige Person. Anlässlich des 500. Todestages berichtet die Zeitschrift MM Maschinenmarkt über Leonardo da Vincis Können.

Am 2. Mai 1519 stirbt der große italienische Universalgelehrte der Renaissance in Frankreich auf Schloss Clos Lucé, das ihm der 20-jährige König von Frankreich drei Jahre zuvor inklusive einer Pension auf Lebenszeit zur Verfügung stellte. Seine Majestät ist ein großer Verehrer des Meisters. Als Leonardo da Vinci sich entschließt, seinen Lebensabend in Frankreich zu verbringen, hat er bereits viele Jahre für die Medici in Florenz, für den Herzog von Mailand, den Papst in Rom und den vorherigen französischen König gearbeitet. Seinem Lieblingsschüler Francesco Melzi hinterlässt er sein geistiges Erbe: Tausende von Skizzen, Zeichnungen und schriftlichen Aufzeichnungen – verfasst auf Papierbögen und in zahlreichen Notizbüchern. Auf Melzi wartet die Lebensaufgabe, den Nachlass zu ordnen. Eigens dafür stellt er zwei Sekretäre ein.

Leonardo da Vinci erfindet nicht nur neue Maltechniken und schafft mit der „Mona Lisa“ und dem „Abendmahl“ die sicher bekanntesten seiner Werke. Er studiert auch intensiv die Natur, beschäftigt sich mit Optik und der Anatomie. Bei all seinem Forscherdrang fasziniert ihn wohl der Gedanke, die Kraft des Menschen durch Maschinen zu verstärken. Geradezu versessen scheint er von der Idee zu sein, Prozesse zu optimieren und zu automatisieren – und ist damit seiner Zeit weit mehr als voraus.

Leonardo als Ingenieur – eine Denkfabrik der Technik

Unermüdlich untersucht, analysiert und notiert er seine Arbeit (Dokumentation!) und ist neben seinem künstlerischen und naturwissenschaftlichen Wirken vor allem ein Ingenieur. Dabei ist er mit mehreren Dingen gleichzeitig beschäftigt, was, so eine Annahme, wohl der Grund sei, warum er wohl keine seiner Konstruktionen in die Praxis umsetzte; ewig stehe er sich und seinen vielen Gedanken im Weg. Andere wiederum feiern in bisher erschienen Katalogen und Aufsätzen die „obsessive Wiederholung einer begrenzten Anzahl von Maschinen und preisen regelmäßig die Flugapparate, das Unterseeboot, den Hubschrauber, Panzerfahrzeuge, das Auto und neuerdings sogar das viel diskutierte Fahrrad“, klagt der Direktor des Museums für Wissenschaftsgeschichte Florenz, Paolo Galluzzi, im Vorwort des 2017 in deutscher Sprache erschienen Buches „Leonardos Maschinen“. Ganz sicher ist die Ideenvielfalt des Italieners zu bewundern.

Die Leonardo-Brücke

Seine ursprünglich als transportable Konstruktion aus Rundhölzern und Seilen für das Militär vorgesehene „Leonardo-Brücke“ wird heute oft in Schulen bei MINT-Projekten eingesetzt. Ihre Grundidee besteht in der Übertragung des Flechtprinzips auf starre Bauteile. So stützen sich die Bauteile durch geschickte Verschränkung gegenseitig. Fixiermittel wie Dübel, Schrauben, Nägel oder Seile sind nicht nötig.