Die Baustellenbesprechung | Grundlagen einer rechtskonformen Objektüberwachung – Bauleitung in der Praxis (7)

marketingINGenieur Dr.-Ing. Knut Marhold Alle, Gastbeiträge

Grundlagen einer rechtskonformen Objektüberwachung – Bauleitung in der Praxis

Architekten und Ingenieure übernehmen bei der Objektüberwachung gemäß HOAI Aufgaben des Auftraggebers. Dieser delegiert mittels Vollmacht an die beauftragten Büros, was diese zu leisten haben und wofür sie befugt sind, um handlungsfähig zu sein. Eine in der Praxis schwierige Rechtsmaterie.

Für die richtige Erfüllung der Bauleitungsaufgaben tragen die beauftragten Büros, wie bei allen anderen werkvertraglichen Planungsleistungen auch, die volle technische Verantwortung. Was geschieht aber, wenn sich die Bauleitung während oder nach der Bauausführung als mangelhaft erweist? Häufig haben Auftraggeber und Büros unterschiedliche Auffassungen darüber, was zu einer umfänglichen und mangelfreien Bauleitung gehört. Die in der HOAI genannten Grundleistungen sind nur ein Anhaltspunkt dafür, welche Aufgaben im Rahmen der Bauleitung zu erfüllen sind.

Die Schwierigkeit der Objektüberwachung liegt also mitunter in der Differenzierung des passenden Arbeits- und Überwachungsaufwandes. Die große Herausforderung für Architektur- und Ingenieurbüros besteht darin, die Bauleitungsaufgaben zum einen vollständig zu erbringen und zum anderen dennoch ein positives Ergebnis mit dieser Leistungsphase zu erwirtschaften.

Prof. Dr. Thomas Benz gibt exklusiv für den QualitätsVerbund Planer am Bau Tipps, wie Architekten und Ingenieure mit Bauleitungsaufträgen richtig umgehen.

Teil 7: Die Baustellenbesprechung

Wer Baubesprechungen (Jour-Fixe-Termine) in der Praxis miterlebt kennt gute und schlechte Beispiele. Die Bauleitung hat die Aufgabe, Baubesprechungen zeiteffizient und ergebnisorientiert zu führen. Dazu ist ein hohes Maß an Diplomatie, Menschenkenntnis und Erfahrung erforderlich. Immer öfter sitzen Psychologen, die sich mit Ingenieurpsychologie befassen, mit im Jour-Fixe-Termin. Dies liegt daran, dass zum einen die Themen der Baubesprechung besonders anfällig für Konflikte sein können, zum anderen Beteiligte zu sehr den eigenen Arbeitsbereich optimieren und weniger das Gesamtprojekt im Auge haben.

Gute Baubesprechungen haben ein zeitliches Limit von ca. zwei Stunden, folgen einem klar strukturierten Ablauf mit protokollierten Inhalten, die von einem zu anderen Termin fortgeschrieben werden oder bei Erledigung aus dem Protokoll verschwinden. Protokolliert werden müssen Fristen für die Erledigung offener Punkte und Verantwortlichkeiten.

Schlechte Baubesprechungen ziehen sich über Stunden hinweg. Viele Beteiligte müssen die meiste Zeit warten, um ihre Punkte ansprechen zu können. Viele betrachten dies als Verschwendung ihrer wertvollen Arbeitszeit und quittieren in der Folge mit ihrem Fernbleiben den Jour-Fixe-Termin, obwohl diese Beteiligten, wenn auch nur kurz, für den weiteren Projektfortschritt oft wichtig sind.

Eine Baubesprechung muss den Schwerpunkt auf die zeitliche Koordination der Bauprozesse mit ihren Gewerken und den Fachfirmen legen. Dabei muss es hauptsächlich um Termine, Zwischen- und Vorleistungen gehen, die die nachfolgenden Gewerke benötigen. Häufig werden jedoch Planungsfragen besprochen. Sofern diese von der Bauleitung einfach und schnell beantwortet werden können, spricht nichts gegen die Thematisierung der Planung in der Baubesprechung. Gibt es jedoch umfangreicheren Klärungsbedarf, muss dieser mit den Planern und betroffenen Handwerkern separat geklärt. Gleiches gilt für Nachträge und Aufmaß und Abrechnungsfragen. Diese betreffen meistens nur eine Fachfirma. Es ist nicht vertretbar, in großer Runde die Inhalte und Ansprüche zu klären.

Merke:

Sinn und Zweck einer Baubesprechung ist die Klärung der zeitlichen Abfolge der verschiedenen Gewerke. Themen, die außerhalb dieses Kontextes stehen, müssen in anderen Besprechungsformaten bearbeitet werden.

Tipps für die Praxis:

  1. Eine Baubesprechung ist keine Planungsbesprechung.
  2. Überlegen Sie, wer alles an der Baubesprechung teilnehmen muss. Geben Sie Zeitfenster vor, wenn jemand nur kurz benötigt wird. So zeigen Sie, dass Sie mit der Arbeitszeit anderer verantwortungsvoll umgehen.
  3. Lenken Sie die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf übergeordnete Terminthemen, die von genereller Bedeutung für alle sind und klären Sie Individualprobleme separat.

Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Kfm. Thomas Benz

Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Kfm. Thomas Benz

Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Kfm. Thomas Benz

studierte technisch orientierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Stuttgart mit Schwerpunkt Baubetrieb, Controlling und Organisation. Anschließend promovierte er 2000 am dortigen Institut für Baubetriebslehre. Seit 2006 hat er die Professur für Baubetriebslehre, Bauwirtschaft und Schlüsselfertigbau an der Hochschule für Technik Stuttgart, zuletzt als Dekan. Neben praktischen Tätigkeiten in Bauunternehmen sowie Bauträgergesellschaften arbeitete er auch in Ingenieurgesellschaften, wo er u.a. das QualitätsZertifikt Planer am Bau einführte. Heute arbeitet er auch freiberuflich als Berater in der Baubranche (u.a. Prozessoptimierung, QM, Strukturentwicklung…), ist Beirat in einem mittelständischen Bauunternehmen und Mediator…